
Macht Fairtrade in China Sinn? Kann man Bio aus China trauen? Wer hat noch ein Bewusstsein dafür, dass Landwirtschaft den Risiken der Natur unterliegt? Ein Gespräch mit Ernst Weber und Liz Augustat von der Naturkost Ernst Weber GmbH in München.
Frau Augustat, Sie leiten die Abteilung für Trockenprodukte von Naturkost Ernst Weber. Ihre Produkte beziehen Sie hauptsächlich aus China. Aber kann man Bio aus China trauen?
Augustat: So sehr wie man Bio aus Europa trauen kann. Wir haben im Vergleich zu anderen Herkünften bei Chinaware nicht mehr Probleme als sonst, eher weniger. Unsere lückenlose Beprobung verschafft uns da ein klares Bild.
Können die Chinesen unser Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit verstehen?
Augustat: Die Chinesen können mit unserer konfrontativen Art erst mal nichts anfangen. Probleme werden viel leichter verstanden, wenn man keine Schuld zuweist, sondern die eigene Betroffenheit aufzeigt und eine Lösung nicht fordert, sondern gemeinsam darüber nachdenkt. Andererseits können wir weißen „Langnasen“ manchmal Dinge fordern, die einen Chinesen ins soziale Abseits befördern würden.
Sind die Strukturen vertrauenswürdig?
Augustat: Ja, aber anders als in Deutschland. Bei uns ist es die rechtliche Einklagbarkeit, dort die Verbindlichkeit dem Partner gegenüber, der mit der Zeit ein Teil der Großfamilie wird. Aber auch die soziale Kontrolle der Chinesen gegenseitig funktioniert gut. Die wissen sehr gut, dass ein schwarzes Schaf in einer Kleinbauernkooperative allen schadet.
Braucht man überhaupt Bio aus China?
Weber: Wir suchen immer die beste Qualität eines Produktes. Bei Grüntee und Soja landet man da zwangsläufig in China, denn dort haben diese Produkte eine lange Tradition und das Know-how ist entsprechend hoch entwickelt.
Sie haben auch Fairtrade-Projekte in China. Macht so etwas in einem Unrechtsstaat Sinn?
Augustat: Die Fairtrade Labelling Organisation FLO hatte zunächst Befürchtungen, dass die chinesische Regierung die Bauern in ihren Entscheidungen zur Verwendung der Fairtrade Prämie beeinflussen würde. Das Pilotprojekt in Dazhangshan, das wir vor acht Jahren gemeinsam aufgebaut haben, war aber so überzeugend, dass Fairtrade auch in China nun allen interessierten Bauerngruppen ermöglicht wird. Heute profitieren allein in Dazhangshan schon über 14.000 Haushalte davon.
Was haben die konkret davon?
Weber: Es wird ein Mindestpreis garantiert, den die FLO für jedes Produkt sorgfältig errechnet, z.B. anhand der Produktionskosten. Darüber hinaus wird eine mengenabhängige Prämie direkt an die Erzeugerkooperativen gezahlt, die über die Verwendung demokratisch entscheiden. Die Teebauern haben beispielsweise entschieden, ein Internat zu bauen, weil ihre Kinder einen so weiten Schulweg haben, dass sie im Schulort übernachten müssen.
Sie arbeiten auch mit Italien, der Türkei, Ägypten und Israel. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe?
Weber: Wir sind Importeur und entwickeln Projekte für Rohstoffe. Unsere Kunden sind Großhändler und Markenartikler. Es gibt keine Weber-Marke, aber in vielen Bio-Markenprodukten ist ein bisschen Weber drin. Unsere Aufgabe ist es, die Bedürfnisse von Erzeugern in die Welt der Verarbeiter und Händler zu übersetzen und umgekehrt. Ein Erzeuger soll von seiner Hände Arbeit leben können, aber er muss auch eine nachweisbare Leistung erbringen, sowohl was die Bedürfnisse von Verarbeitern betrifft als auch im Hinblick auf Bio, Umwelt, Sicherheit.
Was treibt Sie an?
Augustat: Ich bin eigentlich Juristin, aber seit 16 Jahren von Bio und seit 10 Jahren von China fasziniert. Man kann China einfach nicht ignorieren, dafür ist es zu groß, zu einflussreich. Wenn China sich nicht bewegt, können wir in vieler Hinsicht einpacken. Über den Klimawandel wird nicht in erster Linie in Deutschland entschieden!
Weber: Ich bin der Sohn eines Landwirts und war in meinem Dorf in der katholischen Landjugend sehr engagiert. Ich habe den Strukturwandel, die Industrialisierung und Verstädterung miterlebt. Den elterlichen Hof in Biberach gibt es schon lange nicht mehr. Landwirtschaft ist für mich nicht Nahrungsmittelerzeugung zum niedrigsten Preis, sondern Kultur, Lebensweise, Lebensqualität. Der Ökolandbau ist eine Chance, bäuerliche und dörfliche Strukturen zu erhalten. Was für Deutschland gilt, gilt auch für China oder die Türkei.
Naturkost Ernst Weber GmbH
- bezieht Rohstoffe weltweit, ein Schwerpunkt liegt in China
- Gegründet 1990
- 20 Jahre Handel von Produkten aus ökologischem Anbau
- Unternehmensschwerpunkt: Rohstoffe und Tiefkühlware aus China, der Türkei, Italien, Osteuropa, Ägypten und Israel
- Top-Produkte: Obst&Gemüse, Sojabohnen, Hirse, Buchweizen, Chinatees, Erdnüsse
- 20 Mitarbeiter
Kontakt
Naturkost Ernst Weber GmbH
Liz Augustat
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