Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat Richtlinien für die Bewertung von gentechnisch veränderten Tieren veröffentlicht. Die EU stellt sich offenbar darauf ein, dass Anträge auf Zulassung von Gentech-Tieren demnächst gestellt werden, und will für diesen Fall gerüstet sein. Wie schon bei gentechnisch veränderten Pflanzen geht die Behörde davon aus, dass sie Merkmale konventioneller und gentechnisch veränderter Tiere grundsätzlich miteinander vergleichen kann, um eine Risikobewertung durchzuführen. Ein Bündnis aus Verbraucher-, Umwelt-, Bauern- und Tierschutzverbänden fordert eine öffentliche Debatte über die Sicherheitsbewertung der Tiere, bevor eventuelle Zulassungsprozesse starten. In einem offenen Brief an EU-Kommissar Dalli formulieren sie die spezifischen Anliegen der Verbände. Bisher wurden noch keine Anträge auf Zulassung in der EU gestellt. In den USA ist die Genehmigung von Gentech-Lachs höchst umstritten und wurde im letzten Moment gestoppt.top agrar online: EU: Leitlinien zur Bewertung transgener Tiere erstelltTestbiotech und Friends of the Earth Europe: StellungnahmeIFOAM, FOE, testbiotech etc.: Open letter about EU’s assessment of GM animals
Der Verein Testbiotech hat einen erneuten Beleg dafür, dass die Risikobewertung der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) nicht den wissenschaftlichen Standards entspricht. Dies ist das Ergebnis einer Analyse der Originaldokumente, die Monsanto für die Prüfung des Gentech-Mais MON89034X und MON88017 eingereicht hatte. Der Gentech-Konzern gibt laut Testbiotech selbst zu, dass die Untersuchungen nicht in „Übereinstimmung mit den Standards der Good Laboratory Practice (GLP)“ durchgeführt wurden. Der EFSA-Experte Joe Perry kritisiert außerdem die Daten, die für die Zulassung herangezogen wurden und von dem industrienahen International Life Science Institute (ILSI) stammen. Den Daten könne man nicht trauen, so der Gentechnik-Experte der EFSA. Der Gentech-Mais wurde dennoch als sicher bewertet und von der EU-Kommission zugelassen. „Während inzwischen sogar Stellungnahmen von Experten der EFSA zeigen, dass die derzeitige Risikobewertung durch ihre Behörde nicht ausreichend ist, verteidigt die EU-Kommission immer noch die Prüfberichte der EFSA. In welchem Interesse handelt die Kommission da eigentlich?“, fragt Christoph Then von Testbiotech. Seine Organisation hatte bereits im Sommer letzten Jahres zusammen mit GeneWatch (UK) Beschwerde bei der Kommission eingereicht. Da diese abgewiesen wurde, gibt es nun einen gemeinsamen Brief an den zuständigen Kommissar Dalli.testbiotech: Monsantos Daten entsprechen nicht den wissenschaftlichen Standardstestbiotech: Open Letter to EU Commissioner John Dalli about authorisation for MON 89034 × MON 88017 maizeInfodienst Dossier: EFSA-Reform
Der Prozess um ein geändertes EU-Gentechnikrecht geht in eine neue Runde. Die dänische Ratspräsidentschaft legte nun ein Kompromisspapier zur Regelung der nationalen Gentechnik-Anbauverbote vor. Das Papier schlägt Absprachen zwischen den Antragstellern und einzelnen Mitgliedsstaaten vor, nach denen die Hersteller des gentechnisch veränderten Saatguts auf den Verkauf in dem jeweiligen Land verzichten sollen. Möglichst schon im März beim EU-Umweltministerrat soll eine Entscheidung herbeigeführt werden.
2010 hatte die EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung des Gentechnikrechts vorgelegt, der deutliche Mängel aufwies und von vielen Seiten kritisiert wurde. Im Juli letzten Jahres hatte daraufhin das Europäische Parlament beschlossen, den EU-Mitgliedsstaaten die Möglichkeit eines rechtsicheren und umfassenden Verbots gentechnisch veränderter Pflanzen einzuräumen. Die Änderungsvorschläge stammten von der liberalen Abgeordneten Lepage. Nun ist der Rat aufgefordert, sich mit den vom Parlament vorgeschlagenen Änderungen zu befassen.agrarheute: EU-Präsidentschaft strebt Entscheidung über GVO-Anbau anInfodienst: Kommissions-Vorschläge zum EU-Gentechnikrecht
Die großen Gentechnik-Konzerne ziehen sich aus Europa zurück. Nur die KWS Saat AG hält weiterhin an ihren Freisetzungen fest. Der Saatgut-Konzern hat für den Zeitraum von sieben Jahren Versuche mit seiner gentechnisch veränderten Zuckerrübe beim Bundesamt für Verbraucherschutz beantragt. Zwar will die KWS 2012 angeblich keine Freilandversuche durchführen, dennoch setzt sie trotz massiver Verbraucherablehnung offensiv auf die Agro-Gentechnik. Andere Unternehmen geben den europäischen Markt mittlerweile wegen ablehnender Verbraucherhaltung auf. So kündigte Monsanto an, erst mal kein Gentechnik-Saatgut mehr in Frankreich zu verkaufen und entließ letztes Jahr seinen für Deutschland zuständigen Unternehmenssprecher. Die BASF will gar ihre gesamte Gentechnik-Sparte in die USA verlegen. Dabei gab es noch 2010 Aufwind für die gentechnisch veränderte Stärke-Kartoffel Amflora, als die EU-Kommission sie endlich zum Anbau zuließ. Doch der Protest vor Ort und peinliche Verunreinigungs-Pannen vermasselten den Marktstart.
Einige Aktivisten müssen sich dennoch mit den Nachwehen des Anbaus herumschlagen: Sie wurden wegen des Schleuderns von Bio-Kartoffeln auf den Gentech-Acker verurteilt und gehen nun in Berufung. Am Freitag, den 3. Februar um 11 Uhr findet am Landgericht Neubrandenburg die öffentliche Verhandlung statt.Witzenhäusern Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft: BASF und Monsanto geben auf - KWS investiertBVL: Freisetzungsvorhaben GV-ZuckerrübeBürgerinitiative Müritzregion – gentechnikfrei: Gutes neues Jahr!Infodienst: Hintergrund Gentech-KartoffelWirtschaftswoche: BASF-Rückzug: KWS Saat bleibt bei grüner Gentechnik
Das EU-Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen muss dringend überarbeitet werden. Nun hat sich die EU-Kommission des Problems angenommen und neue Vorschriften für die Risikobewertung von Gentech-Pflanzen vorgeschlagen. Verbindliche EU-Standards sind bisher nicht gegeben. Vorgeschrieben ist lediglich die Prüfung durch die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA), die die Pflanzen jedoch stets als sicher bewertet. Im Anschluss sind die EU-Mitgliedsstaaten sich meist uneinig über die Zulassung, woraufhin die EU-Kommission im Alleingang entscheiden darf. In der Regel folgt sie der Meinung der EFSA und lässt die Pflanzen für den EU-Markt zu. Diesen für EU-Bürgerinnen und -Bürger wenig durchsichtigen Prozess beobachtet der Verein Testbiotech sehr ausführlich. Er hat auch das 72 Seiten starke Dokument der EU-Kommission begutachtet und kritisiert die vorgeschlagenen Regelungen als unzureichend. So fehlen beispielsweise Langzeitstudien, die gesundheitliche Risiken gezielt untersuchen. Sogenannte Stacked Events, also Gentech-Pflanzen, in denen mehrere Genkonstrukte kombiniert sind, müssen gesondert getestet werden. Außerdem fordert Testbiotech, auch ethische und soziale Auswirkungen bei der Zulassung zu berücksichtigen und ruft die Industrie auf, sich an einer umfänglichen Zulassungsprüfung, die eine Gefährdung von Mensch und Umwelt ausschließt, finanziell zu beteiligen.testbiotech: Vorgesehene Änderungen reichen nicht ausInfodienst: Interview mit Christoph Then zur EU-ZulassungspraxisEUROPEAN COMMISSION: EU Commission's draft for implementing regulationInfodienst Dossier: EFSA-Reform
Der Saatgut-Konzern Monsanto hat angekündigt, ab diesem Jahr kein MON 810-Saatgut in Frankreich zu verkaufen. Seit 2008 hätte das Unternehmen weder Gentech-Saatgut verkauft, noch damit experimentiert. 2012 und auch in den nächsten Jahren gäbe es keine guten Geschäftsbedingungen für einen Verkauf des gentechnisch veränderten Saatguts. Die Behörden sind bereits über den Schritt informiert. Die französische Regierung hatte angekündigt, an dem Anbau-Verbot festzuhalten, obwohl es eine gerichtliche Entscheidung gibt, die das Verbot für unrechtmäßig erklärt. Am Montag hatten rund 100 Aktivisten einen Standort Monsantos besetzt, weil sie die baldige Auslieferung des Gentech-Saatguts an Landwirte befürchteten. Der Regierung warfen sie Untätigkeit vor, da die Aussaat-Saison bevorsteht, und bis jetzt kein neues Verbot verhängt wurde.Thomson Reuters, USA: Monsanto says won’t sell GMO maize in France in 2012SPIEGEL ONLINE: Französische Aktivisten besetzen MonsantoFrance Soir: Monsanto : Pas de vente de mais transgenique en France en 2012
Zu Recht demonstrierten am Wochenende Tausende Menschen gegen Gentechnik und die Eu-Agrar-Politik der Bundesregierung. Denn gegen ihren Willen hat die Mehrheit der EU-Mitgliedsländer letzte Woche, darunter auch Deutschland, Spanien, Niederlande und Großbritannien, für die Zulassung von vier gentechnisch veränderten Soja-Pflanzen gestimmt. Nach dem Willen der Agrarindustrie sollen die Gentech-Pflanzen als Futter- und Lebensmittel nach Europa importiert werden. Verschiedene Verbände hatten schon im Vorfeld davor gewarnt, dem Antrag zuzustimmen, weil Pestizid-Rückstände auf den Soja-Pflanzen dadurch in die Nahrungskette gelangen können. Der Anbau bedeute ein Risiko für die damit arbeitenden Landwirte sowie für die biologische Vielfalt. Drei der Soja-Pflanzen sind durch die gentechnische Veränderung resistent gegen Herbizide gemacht. Christoph Then von dem Verein Testbiotech weist darauf hin, dass die Anwendung einiger dieser Spritzmittel in Deutschland bereits verboten ist bzw. bald verboten wird.
Im Vorfeld der Demonstration am Samstag lief das erste Mal der Dokumentar-Film „Raising Resistance“ im Kino. Er zeigt eindrucksvoll, wie Kleinbauern in Paraguay gegen den Anbau von Gentech-Soja kämpfen, der ihre Lebensgrundlage zerstört.Südwest Presse Online: Christoph Then: Gentechnik bleibt ein Thematestbiotech: EFSA GMO Watch - January 2012testbiotech: EU entscheidet über NeuzulassungenWebsite: Raising Resistance
Ein scheinbar nicht endender Demo-Zug schlängelte sich heute entlang der Spree vom Hauptbahnhof bis vor das Kanzleramt. 23.000 Menschen haben es satt und protestierten in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Schnee und Regen konnte die gut gelaunte Masse nicht davon abhalten, gemeinsam für eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Gentechnik zu demonstrieren. Mit einem bunten und tanzenden Fahnen- und Schilder-Meer zeigte die kritische Agrar-Bewegung, dass sie sich nicht unterkriegen lässt - weder von der Agrarindustrie noch den Entscheidungsträgern der Politik. Landwirtschaftsministerin Aigner hatte zur Eröffnung der Grünen Woche noch versucht, die Demonstration zu diskreditieren. Die Kritiker würden eine Schlacht von gestern schlagen, so Aigner. "Eine Milliarde Menschen auf der Welt sind nicht satt", so die Agarministerin, die jedoch verkennt, dass die Demonstrantinnen und Demonstranten genau dafür die Verantwortung auch in der heimischen Landwirtschaft sehen. Denn Tier-, Umweltschützer und Landwirte haben es satt, dass gentechnisch veränderte Soja aus Monokulturen importiert wird, um hier billiges Fleisch zu produzieren, statt dass der Bevölkerung in ärmeren Ländern das Ackerland für ihre Lebensmittelproduktion zur Verfügung steht.Wir haben es satt!: StartseiteInfodienst: Foto-Galerie "Wir haben es satt"- Demotaz.de: Proteste zur Grünen Woche: Aigner attackiert Agrar-DemoYouTube: Wir haben es satt! 2012
Morgen ist es so weit: In Berlin treffen sich tausende Menschen, um gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren und eine tiergerechte und nachhaltige EU-Agrarpolitik ohne Gentechnik zu fordern. Über 90 Organisationen rufen dazu auf, bei der bevorstehenden EU-Agrar-Reform die Menschen in der Landwirtschaft in den Mittelpunkt der Politik zu stellen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos kam bereits heute nach Berlin und hat sich den Fragen der Zivilgesellschaft gestellt. Ca. 130 Bürgerinnen und Bürger kamen zu der Diskussionsveranstaltung im Kongresszentrum. Umweltgerechte und nachhaltige Politik stehe für ihn nicht im Widerspruch zur Wettbewerbsfähigkeit, so der EU-Kommissar. Die Teilnehmer forderten den Kommissar auf, soziale und ökologische Kriterien bei der Reform ausreichend zu berücksichtigen und sich nicht dem Druck der Bundesregierung sowie der Agrarindustrie zu beugen. Am Nachmittag überreichte das „Wir haben es satt“-Bündnis Bundesagrarministerin Aigner 75.000 Unterschriften für eine grünere und gerechtere Vergabe der EU-Agrarsubventionen.Pressemitteilung: ARC2020Frankfurter Rundschau: Die neue AgrarwendeWir haben es satt!: StartseiteMeine Landwirtschaft: Video: Dacian Ciolos bei Meine Landwirtschaft
Heute wird im Bundestag ein interfraktioneller Antrag eingebracht, der sich gegen die Patentierung von konventionell gezüchteten Tieren und Pflanzen richtet. Über ein Jahr wurde an dem Antrag gearbeitet, obwohl sich alle Parteien grundsätzlich darin einig sind, Patente auf Tiere und Pflanzen verhindern zu wollen. Der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft begrüßt den Schritt demnach auch als „längst überfällig“ und geht mit seinen Forderungen über die Inhalte des Antrags hinaus:
Auch gentechnisch veränderte Organismen müssen von der Patentierbarkeit ausgenommen werden. Denn dies sei die eigentliche Triebfeder bei der Entwicklung von Gentechnik-Pflanzen: Nachbau der Ernte zu verhindern sowie Züchter mit ihrer Arbeit zu behindern. Auch der LINKEN fehlt der Hinweis auf Biopatent, die auf einer gentechnischen Arbeit beruhen. Die Partei trägt den Antrag dennoch mit. An der Miteinreichung wurde die Partei jedoch wegen des Unvereinbarkeitsbeschlusses der Unionsfraktion gehindert.spdfraktion.de: Keine Patentierung von gezüchteten landwirtschaftlichen Nutztieren und -pflanzenBÖLW: BÖLW fordert Ausweitung auf gentechnisch veränderte Pflanzen und TiereDie LINKE: Biopatente: Schwarz-gelb setzt Kalten Krieg im Bundestag fortDeutscher Bundestag: Antrag: Keine Patentierung von konventionell gezüchteten landwirtschaftlichen Nutztieren und -pflanzenGrüne: Bundestag handelt endlichInfodienst: Hintergrund Patente in der Landwirtschaft
Der sogenannte "Golden Rice" steht möglicherweise vor seiner Marktzulassung. Dies berichtet die Verbraucherorganisation foodwatch. Nachdem der umstrittene Reis 2011 versuchsweise auf den Philippinen angebaut wurden, soll er nun kommerziell auf den Markt kommen. Die Gentechnik-Industrie verspricht sich vom Anbau des Reises Hilfe für Menschen mit Vitamin-A-Mangel. Kritiker verweisen hingegen auf das Risiko des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen und auf die vielseitigen Ursachen von Mangelernährung. Das Reis-Projekt bewerten sie eher als eine Image-Kampagne der Industrie. Diese wirft den Kritikern wiederum vor, das Leben von Kindern zu gefährden, wenn der Anbau des Reises verhindert wird.
Ein heute von foodwatch veröffentlichter Report wirft wichtige Fragen auf, die vor einer möglichen Markteinführung geklärt werden sollten. So liegen der Öffentlichkeit bisher keine Fütterungsstudien vor, stattdessen wurde der Reis an chinesischen Kindern getestet. Nach wie vor sei außerdem unklar, inwiefern die im Reis produzierten Carotinoide vom menschlichen Körper verwertet werden können.foodwatch: Gentechnik-Industrie will umstrittenen Goldenen Reis ohne ausreichende Prüfung der Risiken einführenfoodwatch: Report: Golden Lies - Das fragwürdige Golden Rice-Projekt der Saatgutindustrie
Am heutigen Dienstag entscheiden die EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel über die Zulassung von vier Varianten gentechnisch veränderter Soja für die Verwendung in Futter- und Lebensmitteln. Friends of the Earth Europa und Testbiotech fordern in einem gemeinsamen Brief die Mitgliedsstaaten dazu auf, diese Anmeldungen zurückzuweisen. Rückstände aus Spritzmitteln könnten in die Nahrungskette gelangen. Zudem führt die Zulassung insbesondere der herbizidresistenten Pflanzen zu resistenten Unkräutern und neuen Pflanzenkrankheiten, was ein erhebliches Risiko für Landwirte und die biologische Vielfalt darstellt. Die Risikobewertung durch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA weist bei den vorliegenden Fällen erhebliche Schwächen auf. So wurden beobachtete unbeabsichtigte Veränderungen der Pflanze sowie das festgestellte Risiko für das Immunsystem im Fall der insektengiftigen Sojabohne MON87701 entweder nicht genauer untersucht oder als irrelevant abgetan. testbiotech: EU entscheidet über NeuzulassungenHarald Ebner: Keine Zulassung für giftige Gen-Soja, Frau Aigner
Die Unternehmenszentrale der BASF Plant Science geht in die USA, die Entwicklung und Kommerzialisierung der Gentechnik-Kartoffeln Amflora, Amadea und Modena werden gestoppt. Dies teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Gentechnik-Kritiker verbuchen die Flucht nach Amerika als Erfolg ihrer Arbeit. Die umstrittene und mit Misserfolg gekrönte Gentechnik-Kartoffel Amflora hat den Konzern 13 Jahre Wartezeit auf eine Zulassung, jährlich etwa 150 Millionen Euro und viel Kritik wegen Gesundheitsgefahren eingebracht. Die nicht zugelassene hauseigene Gentechnik-Kartoffel Amadea hat zudem einen Verunreinigungsskandal produziert. Die Knolle entpuppte sich als extrem pilzanfällig und wenig erfolgversprechend. Nun will sich der Konzern auf Projekte konzentrieren, die Ertragssteigerung und Stresstoleranz der Pflanzen versprechen. Er will die Partnerschaft mit Monsanto intensivieren und die Forschung in Deutschland auf die Genidentifizierung ausbauen. Das Gen-ethische Netzwerk (GeN) freut sich. Christoph Potthoff, Mitarbeiter des GeN fasst zusammen: "Wir werden diesem Geschäftszweig keine Träne hinterher weinen". Er wertet diese Entscheidung als Eingeständnis einer Niederlage gegen die deutsche und europäische Zivilgesellschaft, von der immer wieder breiter Protest gegen den Anbau ausging.BASF: PressemitteilungGen-ethisches Netzwerk, Germay (GeN): Bye-bye! BASF Plant Science! - Keine Träne des GeNInfodienst: Hintergrund Gentech-KartoffelAbL: Gentechnikkritische Bewegung bleibt wachsamtagesschau.de: BASF-Tochterunternehmen wird in die USA verlegt
Dutzende Menschen drangen Ende letzter Woche in die Räumlichkeiten von Monsanto Frankreich ein, um den Verkauf und den Anbau von Gentechnik-Pflanzen zu stoppen. Mit der gewaltlosen Besetzung der französischen Zweigstelle des Gentechnik-Konzerns erwirkten Imker mit Hilfe von Gentechnik-Kritikern und Landwirten einen Gesprächstermin mit der Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet am kommenden Freitag. Die Imker fürchten um ihren Honig und wollen vor allem den Anbau des Gentechnik-Maises MON 810 im Frühjahr verhindern. Denn seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes im September 2011 ist Honig, der mit Pollen des Gentechnik-Maises verunreinigt ist, nicht mehr verkehrsfähig, da er derzeit keine ausreichende Lebensmittelzulassung besitzt. Das MON 810-Anbauverbot wurde in Frankreich gerichtlich aufgehoben. Die französische Regierung will jedoch weiter daran festhalten.La Dépêche: Monbéqui. Maïs OGM : un commando d'apiculteurs envahit Monsanto - Tarn-et-GaronneInformationsdienst Gentechnik: Frankreich will Anbauverbot für Gentechnik-Mais aufrechterhaltenBienen & Agro-Gentechnik: Webseite zu Bienen und Gentechnik
In Lettland haben nahezu alle Verwaltungsbezirke (Novads) beschlossen, bis Ende 2012 gentechnikfrei zu sein. In 101 Novads wird dann der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf kommunalen Flächen verboten sein, berichtet ein Berater des lettischen Umweltministeriums. Diese Bezirke haben die obligatorischen Anbau-Regeln bereits umgesetzt und können nun nach einer Gesetzesänderung durch lokale Referenden Anbau-Verbote durchsetzen. Die Ablehnung von Agro-Gentechnik ist in Lettland besonders groß. In einer vom Umweltministerium durchgeführten Umfrage sprechen sich über 90% der Bevölkerung gegen einen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen aus.All About Feed, The Netherlands: Latvia on the brink of complete ban of GMO productsgmo-free-regions.org: GMO-free news Lativa
Der neue Ökotest zum Thema Honig zeigt: Gentechnik ist nicht kontrollierbar, wenn sie einmal freigesetzt wird. In 14 von 20 Honig-Proben wurden Spuren von Gentech-Pollen gefunden. Gezielt suchte Ökotest nach Honig aus Südamerika, denn dort werden massenweise Gentechnik-Pflanzen angebaut. So fanden die Experten denn auch in allen verunreinigten Honigen Pollen der gentechnisch veränderten Soja-Pflanze Roundup Ready. Deutscher Honig ist hingegen frei von Gentechnik-Verunreinigungen, da hierzulande kaum noch gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Vom Markt genommen werden müssen die verunreinigten Honige jedoch nicht, denn die Gentech-Soja ist in der EU als Lebensmittel zugelassen. Eine rechtliche Klarstellung des EuGH vom September letzten Jahres gibt vor, dass Honig mit nicht als Lebensmittel zugelassenen Pflanzen-Pollen nicht verkehrsfähig ist.www.oekotest.de: Testberichte Gen-Technik in HonigBienen & Agro-Gentechnik: Webseite zu Bienen und Gentechnik
Die Regierung der Azoren hat beschlossen, die Inseln gentechnikfrei zu halten. Das Vorsorgeprinzip soll eingehalten werden, um die Wirtschaft und Natur vor möglichen Schäden zu bewahren, die durch die Einführung von gentechnisch veränderten Pflanzen hervorgerufen werden können. Die neue Regelung untersagt daher jeglichen Anbau sowie Züchtung von Gentech-Pflanzen. Davon ausgenommen sind wissenschaftliche Untersuchungen, die dem öffentlichen Interesse dienen.azores.gov.pt: Government wants the Azores free from genetically modified organisms
Die EU-Kommission hat vier neue gentechnisch veränderte Pflanzen für den EU-Markt zugelassen. Es handelt sich um eine Baumwollart und drei Maissorten, die für Lebens- und Futtermittel verwendet, nicht aber angebaut werden dürfen. Das Zulassungs-Verfahren verlief wie gewohnt: Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde hatte die Pflanzen für sicher erklärt. Die Mitgliedsländer konnten sich auf eine Zulassung nicht einigen, woraufhin der Kommission die Entscheidung überlassen wird. Diese sprach sich nun für die Zulassung aus. EU-Bürgerinnen und Bürger dürften dies überwiegend als bitteres Weihnachtsgeschenk ansehen. Denn die Mehrheit von ihnen spricht sich immer wieder gegen gentechnisch veränderte Pflanzen aus. Und die Lebensmittelindustrie reagiert: Immer mehr Hersteller achten mittlerweile auch beim Tierfutter auf gentechnikfreie Ware.agrarheute.com: Neue Genpflanzen für Europa zugelassenInfodienst Dossier: EFSA-Reform
Der Markt für gentechnikfreie Soja weitet sich aus. Dies berichtet das Beratungsunternehmen TraceConsult, das regelmäßig über die Verfügbarkeit von gentechnikfreier Soja aus Brasilien informiert. So hat das Zertifizierungs-Unternehmen für gentechnikfreie Soja-Produkte, Cert ID, kürzlich seine Zahlen für 2011 veröffentlicht. Demnach steigt der gentechnikfreie Sektor und ist laut Cert ID-Geschäftsführer Augusto Freire auch ausbaufähig. Neben den 7,7 Mio. Tonnen Soja, die sein Unternehmen zertifiziert, stünden noch beträchtliche Mengen zur Verfügung, die bloß nicht an die Abnehmer gebracht werden, weil der Kontakt zu den Anbietern nicht hergestellt sei. Laut Freire ist Brasilien in der Lage, für viele Jahre die europäische Nachfrage an gentechnikfreien Soja-Erzeugnissen zu decken. TraceConsult: Zertifizierte Soja-Mengen gegen Brüsseler GehirnwäscheCert ID: Cert ID-certified non GM Soy Bean Meal and other Soy Products
In einer Umfrage des Nachrichten-Portals FoodNavigator.com haben sich 66% der Leserinnen und Leser dafür ausgesprochen, dass die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sogenannte Drehtür-Fälle verhindern sollte. Eine von ihnen ist die Geschäftsführende Direktorin der EFSA, Catherine Geslain-Lanéelle. Sie versicherte gegenüber FoodNavigator.com, dass die EFSA alle potenziellen Interessens-Konflikte ihrer Mitarbeiter verhindern wolle. Die EFSA ist immer wieder in die Kritik geraten, weil Mitarbeiter kurz nach ihrer Tätigkeit als Risikobewerter der Behörde zur Industrie wechselten oder sogar gleichzeitig beide Tätigkeiten ausübten. Anfang Dezember hatte sich der europäische Bürgerbeauftragte einer Beschwerde des Vereins Testbiotech angeschlossen, die die Drehtür-Fälle zwischen der EFSA und der Biotech-Industrie anprangert. Die unabhängige Kontrolle von Gentech-Pflanzen muss in Zweifel gestellt werden, wenn EFSA-Mitarbeiter gleichzeitig direkt oder indirekt für die Industrie arbeiten, die diese Pflanzen vermarkten. foodnavigator.com: The agency should block its staff from taking up revolving door jobstestbiotech: testbiotech: Chronologische Liste der Dokumente zur Unabhängigkeit der EFSAInfodienst Dossier: EFSA-Reform